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Schweizerdeutsche Spracherkennung

By 14. April 2018 No Comments

 

Umfrage: Schweizerdeutsche Spracherkennung

Warum verstehen Siri, Alexa und Konsorten uns Schweizerinnen und Schweizer eigentlich immer noch nicht, wenn wir mit ihnen im Dialekt reden möchten?

In einer mittelgrossen Umfrage sind wir der Sache nachgegangen und haben rund 240 Personen aus der Deutschschweiz zu ihren Erfahrungen mit digitalen Sprachassistenten befragt. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Gerne präsentieren wir euch nun unsere Erkenntnisse.

 

Sprachassistenten

Digitale Sprachassistenten sind für unsere Befragten nichts Unbekanntes. Ganze 91.7 % haben bereits mindestens einmal mit dem Handy gesprochen um sich Routen aufzeigen, Essen liefern und fremde Sprachen übersetzen zu lassen.

Vielnutzer hat es dabei aber nur wenige. 54.5 % der Befragten aktivieren ihren Sprachassistenten weniger als einmal im Monat. Unter den täglichen Nutzern sind nicht mal ein Zehntel der Befragten.

Bei den digitalen Gesprächspartnern gibt es mittlerweile eine vorzeigbare Auswahl für die Nutzer. An Nummer 1 steht Siri. Mit der Apple Assistentin haben ganze 86.4 % unserer Befragten bereits das Vergnügen gehabt. An zweiter Stelle folgt der Google Assistant, mit dem sich 45.5 % bereits mindestens einmal ausgetauscht haben. Der dritte Platz gehört mit 13.6 % Microsofts Cortana. Bei Bixbi (Samsung), Alexa (Amazon) und alle anderen Sprachassistenten schafft es keiner auf mehr als 5 %.

Viele unserer Befragten testen den, auf ihrem Smartphone installierten, Sprachassistenten irgendwann mal aus Neugierde oder zum Spass. Im Vergleich mit den USA sind die Schweizer aber sehr zurückhaltend, wenn es um die alltägliche Nutzung der Technologie geht. Wir wollten darum von unseren Befragten wissen, wo sie die Gründe dafür sehen.

63.6 % der Befragten gaben die Sprachhürde (Schweizerdeutsch) als Grund an. 54.5 % sehen in ihrem Alltag keinen praktischen Nutzen von Sprachsteuerung gegenüber der herkömmlichen In- und Output-Methode via Touchscreen. Jeweils 50% der Befragten fühlen sich beim verbalen Austausch mit einem Computer unwohl und haben Bedenken in Bezug auf den Schutz ihrer Daten und Privatsphäre. Als weniger wichtig wurden dagegen technische Hürden in der Benutzung (13.6 %) wahrgenommen.

 

Schweizerdeutsche Services*

*Unter Schweizerdeutschen Services verstehen wir Dienstleistungen, bei welchen der Informationsaustausch zwischen dem Nutzer und dem Anbieter mittels gesprochener Sprache über ein Medium (Telefon, Internet) von Person zu Person erfolgt.

50 % der Befragten ist es wichtig, dass sie beim Nutzen von Services auf Schweizerdeutsch verstanden werden. 16.7 % ist es sogar sehr wichtig. Darüber, wie häufig dies auch wirklich der Fall ist, waren sich die Befragten dagegen nicht ganz einig. Die Einschätzungen waren relativ gleich verteilt von «ich werde praktisch nie auf Schweizerdeutsch verstanden» bis hin zu «ich werde praktisch immer auf Schweizerdeutsch verstanden».

 

Schweizerdeutsche Spracherkennung

Einige Dienste bieten in der Schweiz bereits heute eine Schweizerdeutsche Spracherkennung an. Dazu gehören etwa die  «Smart Remote» für das Swisscom TV oder die Fahrplan-App der SBB. Beinahe alle Befragten haben diese Produkte aber bislang noch nicht persönlich getestet.

Aufgrund der fehlenden persönlichen Erfahrungen der Befragten mit Schweizerdeutscher Spracherkennung konnten wir leider auch keine aussagekräftigen Erkenntnisse zur Qualität dieser Produkte und ihrem Nutzen im Alltag der User gewinnen.

Auf die Frage, wie hoch überhaupt das Interesse an einer Spracherkennung, die Dialekte versteht, ist, antworteten 37.5 % der Befragten mittelmässig interessiert. 29.2 % hatten ein hohes, 16.7 % sogar ein sehr hohes Interesse.

Zum Abschluss der Umfrage wollten wir erfahren, in welchen Anwendungsbereichen sich die User denn am meisten eine Schweizerdeutsche Spracherkennung wünschen würden. 70.8 % sehen den wichtigsten Einsatz von Dialekterkennung bei den Digital Assistants wie Siri, Alexa und Cortana. 50 % möchten, dass sie von einfacheren Bedienhilfen (z.B. Fernseher-Fernbedienung) auf Schweizerdeutsch verstanden werden. Ebenfalls noch beliebt waren automatisierte, telefonische Bestellprozesse zum Beispiel für Essen oder Veranstaltungstickets.

 

Byrds & Beers: Spracherkennung

An dieser Stelle möchte ich nochmals auf die nächste Runde Byrds & Beers aufmerksam machen. Am kommenden Donnerstag (19. April 2018) bei uns im Marzili-Büro (Sandrainstrasse 17, 3007 Bern) ab 19 Uhr laden wir herzlich alle Interessierten ein, sich mit uns bei Bier und gemütlicher Atmosphäre über Freuden und Leiden digitaler Sprachassistenten auszutauschen. Als besonderen Gast dürfen wir dieses Mal Jürg Schleier von Spitch bei uns willkommen heissen. Worauf wir uns besonders freuen: Jürg wird im Rahmen seines Vortrags auch einige Schweizer Referenzprojekte vorführen, die bereits heute über eine „schwizerdütsche“ Spracherkennung verfügen.

-> Hier geht’s zum Event.

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